Starker Zulauf beim Jugendbegleiter-Programm

Verpflichtende Fremdevaluation startet zum neuen Schuljahr

240 Schulen werden durch Expertenteams des Landesinstituts für Schulentwicklung auf den Prüfstand gestellt / Veränderungen in der gymnasialen Oberstufe / Gymnasien erhalten Budget für Hausaufgabenbetreuung / Neue Einschulungsuntersuchung mit verbindlicher Sprachstandsdiagnose startet im Spätherbst / Zehn neue Bildungshäuser

Stuttgart, 03.09.2008 "Mit der Einführung der verpflichtenden Fremdevaluation beginnt ein neues Kapitel in der Schulkultur unseres Landes. Das Zusammenwirken von Eigenverantwortung, externer Erfolgskontrolle und gezielter Unterstützung wird die Qualität von Schule und Unterricht weiter verbessern", sagte Kultusminister Helmut Rau MdL am Mittwoch (3. September) in Stuttgart. Der Start erfolgt mit 240 Schulen, die von zwei- bis dreiköpfigen Expertenteams des Landesinstituts für Schulentwicklung (LS) überprüft werden. Zusätzlich werden zehn berufliche Schulen evaluiert. Zu den weiteren Neuerungen zählen Änderungen in der gymnasialen Oberstufe, ein Budget für Hausaufgabenbetreuung an Gymnasien sowie der Start der Sprachstandsdiagnose.

Die Fremdevaluation folgt einem Stufenplan, der eine jährlich steigende Anzahl von zu prüfenden allgemein bildenden Schulen vorsieht. Im 2009/10 nehmen bereits 460 Schulen teil, im Schuljahr 2010/11 sind es 650 und in den Folgejahren steigt die Zahl auf 700 Schulen jährlich.Im neuen Schuljahr werden rund 50 Evaluatoren des LS zum Einsatz kommen, die Zahl soll schrittweise bis auf 120 erhöht werden. Die Schulen werden im Rahmen einer repräsentativen Zufallsstichprobe ermittelt. Bei einer Pilotphase wurden von 2006 bis 2008 bereits auf freiwilliger Basis rund 80 allgemein bildende Schulen evaluiert.

Die Fremdevaluation erfolgt entlang eines Qualitätsrahmens, der in sechs Bereiche mit jeweils eigenen Kriterien und Qualitätsmerkmalen gegliedert ist: Die Bereiche "Unterricht", "Schulführung und Schulmanagement" sowie "Qualitätssicherung und –entwicklung" werden bei jeder Fremdevaluation überprüft. Aus den anderen Bereichen "Professionalität der Lehrkräfte", "Schul- und Klassenklima" sowie "innerschulische und außerschulische Partnerschaften" können die Schulen vier Qualitätsmerkmale auswählen, die dann ebenfalls von den Expertenteams evaluiert werden. Die Datenerhebung an der Schule dauert ein bis drei Tage und erfolgt über die Auswertung der schulischen Dokumentation, einen Schulhausrundgang, strukturierte Interviews mit Schulleitung, Lehrkräften, Schülern und Eltern sowie die Beobachtung von Unterrichtssituationen.

Das Evaluationsteam stellt die Ergebnisse zunächst der Schulleitung und der Gesamtlehrerkonferenz vor. Der Evaluationsbericht, der unter anderem Empfehlungen für die Weiterentwicklung der Schule enthält, geht anschließend der Schule zu. Die Schulleitung ist verpflichtet, diesen an die zuständige Schulaufsicht weiterzuleiten und ihn unter Beachtung des Datenschutzes in den betreffenden schulischen Gremien und gegenüber dem Schulträger offenzulegen. Der Bericht der Fremdevaluation bildet auch die Grundlage für eine zielgerichtete Unterstützung und Beratung der Schulen und für entwicklungsorientierte Zielvereinbarungen mit der Schulaufsicht.

Gymnasiale Oberstufe: Mehr Transparenz, Naturwissenschaften gestärkt

Mit dem neuen Schuljahr treten auch einige Änderungen im Rahmen der gymnasialen Oberstufe in Kraft. "Ziel ist es, das Berechnungs- und Belegungssystem deutlich zu vereinfachen und gleichzeitig die allgemeine Studierfähigkeit weiter zu stärken", betonte Rau. Die erreichbare Gesamtpunktzahl wird von 840 auf 900 erhöht. Dabei wird zwischen einem Kursblock mit 600 Punkten und einem Prüfungsblock mit bis zu 300 erreichbaren Punkten unterschieden. An diese Veränderung schließen sich weitere Reformschritte an. Dazu zählt eine vereinfachte Fächerwahl. Die Unterscheidung zwischen Kernkompetenz-, Profil- und Neigungsfach entfällt. Wie bisher sind fünf vierstündige Fächer zu belegen, die aber künftig alle einfach gewertet werden. Verpflichtend zu belegen sind Deutsch, Mathematik und eine Fremdsprache ("Pflichtkernfächer") sowie zwei "Wahlkernfächer", von denen eines entweder eine weitere Fremdsprache oder eine Naturwissenschaft sein muss. Verpflichtender Bestandteil der schriftlichen Abiturprüfung sind weiterhin die Fächer Deutsch, Mathematik sowie eine als Kernfach gewählte Fremdsprache. Hinzu kommt nach Wahl ein weiteres Kernfach.

Weitere Maßnahmen zielen darauf ab, die Bedeutung der Natur- und Gesellschaftswissenschaften hervorzuheben. Dazu gehören die volle Anrechungspflicht für alle acht Kurse in den zwei zu belegenden Naturwissenschaften sowie die Vergabe von Einzelnoten für die Fächer Geschichte, Gemeinschaftskunde und Geographie. Diese Fächer werden in der Oberstufe abwechselnd in der Kombination Geschichte und Gemeinschaftskunde bzw. Geschichte und Geographie unterrichtet. Bisher wurden Durchschnittsnoten gebildet.

G8-Programm "Qualitätsoffensive Gymnasien" wird umgesetzt "

Wir unterstützen die Gymnasien bei der weiteren Umsetzung von G8 mit Mitteln zur Hausaufgabenbetreuung, mit der Möglichkeit, Ganztagsschule zu werden, und mit Empfehlungen in Fragen der Unterrichtsorganisation", erklärte der Kultusminister. Ab diesem Schuljahr sind alle Gymnasien verpflichtet, eine Hausaufgabenbetreuung, vorrangig in den Klassenstufen 5-7, anzubieten. Diese Maßnahme ist Bestandteil der "Qualitätsoffensive Gymnasium". Durchschnittlich erhält jede Schule fünf Lehrerstunden zur Organisation des Angebots und zur Qualifizierung der Hausaufgabenbetreuer sowie ein Budget für deren Aufwandsentschädigung von 4000 Euro. Insgesamt wendet das Land für die Hausaufgabenbetreuung 5,3 Mio Euro auf. Zudem können zukünftig alle Gymnasien, die ein entsprechendes pädagogisches Konzept haben und über die notwendigen räumlichen Voraussetzungen verfügen, als Ganztagsschulen genehmigt werden. Dies gilt unabhängig davon, ob es in zumutbarer Entfernung bereits ein Ganztagsgymnasium gibt oder nicht. Rau appellierte an die Gymnasien, auch die unterrichtsorganisatorischen Freiräume noch stärker zu nutzen. So soll die Hälfte der frei verfügbaren zehn Poolstunden zur individuellen Förderung in geteilten Klassen eingesetzt werden. Dies entlaste die Stundenpläne der Kinder, weil sie nicht zu den Stunden für den Fachunterricht nach der Kontingentstundentafel zusätzlich dazukämen.

Frühkindliche Bildung bleibt weiter Schwerpunktbereich

Als einen klaren Schwerpunktbereich bezeichnete Rau die frühkindliche Bildung. Dabei stelle die Sprachkompetenz der Kinder eine der wichtigen Voraussetzungen für einen gelingenden Schulstart dar. Bei sprachlichen Auffälligkeiten komme ab dem Spätherbst im Rahmen der neu konzipierten Einschulungsuntersuchung eine verbindliche Sprachstandsdiagnose zum Einsatz. Das Testverfahren SETK 3 bis 5 (Sprach-Entwicklungs-Test für drei- bis fünfjährige Kinder) ermögliche einen detaillierten Blick auf die sprachlichen Defizite und liefere damit Ansatzpunkte für eine gezielte Förderung. Für den ganzen Komplex der Sprachstandsdiagnose sieht die Qualitätsoffensive Bildung für die Jahre von 2009 bis 2012 einen Betrag von über 10,6 Mio Euro vor. "Die erste Runde der neuen Schuleingangsuntersuchung wird zeigen, wie hoch der tatsächliche Sprachförderbedarf ist. Bislang gibt es nur Schätzungen", betonte Rau. Die Landesregierung werde bei der Landesstiftung die flächendeckende Ausweitung des erfolgreichen Sprachförderprogramms "Sag mal was" beantragen. So könne dem Förderbedarf, der sich aus der Sprachstandsdiagnose ergibt, mit einem bewährten Programm entsprochen werden.

In den Bildungshäusern für Drei- bis Zehnjährige sieht der Kultusminister das "Zukunftsmodell" der frühkindlichen Bildung. Die Gesamtzahl der Standorte steigt im neuen Schuljahr von 23 auf 33. "Die Resonanz auf den Modellversuch war so positiv, dass wir den Kreis der teilnehmenden Einrichtungen erweitert haben", sagte Rau. Die enge Verzahnung von Kindergärten und Grundschulen biete neue Möglichkeiten im Bereich der frühkindlichen Förderung. "Unser Ziel ist es, Kindern eine kontinuierliche und bruchlose Entwicklung ihrer Bildungsbiografie zu ermöglichen", betonte der Kultusminister. In den Bildungshäusern wird die Lern- und Entwicklungssituation der Kinder in einem einrichtungsübergreifenden sozialen Rahmen gestaltet. Die gemeinsamen Bildungsangebote sind integraler Bestandteil der Wochen- und Stundenpläne der Kindergärten und Grundschulen.

Mehr Ganztagsschulen und starker Zulauf beim Jugendbegleiter-Programm

"Wir unterstützen Schulen bei ihrer Entwicklung zur Ganztagsschule, weil damit mehr Spielräume für neue schulische Förder- und Integrationskonzepte verbunden sind", sagte Kultusminister Rau. Im neuen Schuljahr 2008/09 steigt die Zahl der öffentlichen und privaten Ganztagsschulen von 837 auf 1063. Auch die Resonanz auf das Jugendbegleiter-Programm ist ungebrochen groß. Zum neuen Schuljahr nehmen insgesamt 839 Schulen teil. Das sind über 300 Schulen mehr als noch vor einem Jahr, als an 514 Schulen über 7000 Jugendbegleiter ehrenamtlich engagiert waren. Bei den Bildungs- und Betreuungsangeboten der Jugendbegleiter handelt es sich um Aktivitäten in den Bereichen Sport, Musik, Kunst und Kultur, Wirtschaft sowie Umwelt und Naturwissenschaften oder um Angebote in der kirchlichen Jugendarbeit. "Das Programm aktiviert Schüler und Eltern, schlägt Brücken in das außerschulische Umfeld zu Vereinen und Verbänden und bereichert den Schulalltag", sagte Rau. Es habe sich zu einer Säule in der Ganztagsbetreuung an den Schulen entwickelt.

Schulämter: Größere Einheiten sorgen für mehr Effizienz

Zum 1. Januar soll das Gesetz zur Weiterentwicklung der Verwaltungsstrukturreform in Kraft treten. Es sieht vor, die Schulämter aus den Stadt- und Landkreisen auszugliedern und von bisher 44 auf zukünftig 21 zu reduzieren. "Die Landesregierung hat sich für die Bildung leistungsfähiger Schulämter entschieden. Mit der größeren Personalausstattung wird die Arbeitsfähigkeit der Schulämter und die effiziente Betreuung der Schulen, Lehrkräfte und der Schülerinnen und Schüler sichergestellt", betonte Rau. Zukünftig könnten auch pädagogische Querschnittsaufgaben wie die regionale Lehrerfortbildung von jedem Schulamt selbst wahrgenommen werden. In jedem Schulamt wird es auch weiterhin eine Arbeitsstelle Kooperation und eine Arbeitsstelle Frühförderung geben. Die Unterrichtsversorgung kann bei einer geringeren Anzahl von Standorten großräumiger und damit effizienter geplant werden.

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