Positive Startbilanz

Seit Schuljahresbeginn engagieren sich 2.700 ehrenamtliche Kräfte in der Ganztagsbetreuung an Schulen. Ministerpräsident Günther H. Oettinger und Staatssekretär Georg Wacker: Engagement der Jugendbegleiter bereichert auf vielfältige Weise das Schulleben - Programm soll weiter ausgebaut werden.

„Die Jugendbegleiter schlagen mit ihrer Arbeit eine weitere wertvolle Brücke zwischen den Schulen und ihrem gesellschaftlichem Umfeld. Ihre Erfahrungen aus Bereichen wie der Wirtschaft, dem Sport oder der Kultur fließen in die Arbeit der Schulen ein. Das Engagement der Jugendbegleiter bereichert so auf vielfältige Weise das Schulleben“, erklärten Ministerpräsident Günther H. Oettinger und der Ehrenamtsbeauftragte der Landesregierung, Kultusstaatssekretär Georg Wacker, am Dienstag (21. November 2006) in Stuttgart. Seit Beginn des Schuljahres seien nach einer Erhebung des Kultusministeriums bereits 2.700 ehrenamtliche Kräfte in der schulischen Ganztagsbetreuung im Einsatz.

Die Auswertung erfasse 232 der aktuell 248 Modellschulen. Von diesen befänden sich 77 Prozent im Aufbau zur Ganztagsschule, 23 Prozent seien bereits als solche anerkannt. An mehr als der Hälfte der Schulen (56 Prozent) seien zwischen vier und zwölf Jugendbegleiter tätig. Ein knappes Viertel stamme aus Vereinen und Verbänden, jeweils ein knappes Drittel aus der Eltern- oder Schülerschaft. Die übrigen seien organisatorisch unabhängige Personen. Die Jugendbegleiter, die aus Vereinen kämen, seien zur Hälfte dem Sport zuzurechnen, zu je zehn Prozent dem Musikbereich und den Hilfsorganisationen. Bei den organisatorisch unabhängigen Personen stünden Studierende (15 Prozent), Senioren/-innen (14 Prozent) und pensionierte Lehrer/-innen (9 Prozent) an der Spitze.

Tätigkeit von Ehrenamtlichen wird positiv eingeschätzt

Die Ergebnisse bestätigten eine Bildungspolitik, die die Schule als Teil einer aktiven Bürgergesellschaft begreife. „Das Jugendbegleiter-Programm hat bei vielen Schulen einen Öffnungsprozess in das außerschulische Umfeld in Gang gesetzt oder beschleunigt. Unsere Schulen rücken immer mehr in den Mittelpunkt des gemeindlichen Lebens. Sie werden zum Ort des Austauschs von Ideen, Erfahrungen und praktischen Fähigkeiten“, unterstrichen Ministerpräsident Oettinger und Staatssekretär Wacker. Dass der überwiegende Teil der Schulen (84 Prozent) die Tätigkeit von Ehrenamtlichen positiv oder sehr positiv einschätze, liege auch an der Offenheit des Jugendbegleiter-Programms. „Jede Schule hat die Möglichkeit, ein für sie passendes Angebot in den Schulalltag zu integrieren. Wir haben bewusst darauf verzichtet, starre Vorgaben zu machen.“

Über ein Drittel der Jugendbegleiter ohne Aufwandsentschädigung

Laut Erhebung arbeiteten 35 Prozent der Jugendbegleiter rein ehrenamtlich und damit ohne Aufwandsentschädigung, sechs Prozent erhielten eine geringe Aufwandsentschädigung (ein bis vier Euro pro Stunde), 41 Prozent zwischen fünf und zehn Euro pro Stunde und nur zehn Prozent erhielten elf Euro und mehr pro Stunde. Fast überall solle es zusätzliche Formen der unentgeltlichen Wertschätzung wie beispielsweise Ehrungen oder Einladungen zu Schulveranstaltungen geben, sagte Staatssekretär Georg Wacker. Damit leisteten die Schulen einen wertvollen Beitrag zur Weiterentwicklung und Festigung einer Anerkennungskultur für ehrenamtliches Engagement in den Städten und Gemeinden. Dies werde sich positiv auf das bürgerschaftliche Klima auswirken.

Aufstockung des Schulbudgets durch Kommunen und Sponsoren erwünscht

Als besonders erfreulich bewertete Wacker, dass knapp die Hälfte der Schulen (46 Prozent) über den Landeszuschuss hinaus weitere Zuschüsse für die Jugendbegleitung habe erschließen können. Über 40 Prozent davon in Höhe von 2.000 Euro und mehr. Um die modellbedingten Mehrkosten abzudecken, sei bei den Schulträgern ein Schulbudget eingerichtet worden, über das die Schulen eigenverantwortlich entscheiden. Für Schulen, die vier bis zehn Jugendbegleiterstunden pro Woche anbieten, seien 2.000 Euro pro Jahr als Landeszuschuss vorgesehen. Für Schulen mit elf bis 20 Jugendbegleiterstunden pro Woche gewähre das Land einen Zuschuss von 4.000 Euro. Eine Aufstockung des Schulbudgets durch kommunale Gelder oder Sponsorenbeiträge sei seitens des Landes erwünscht. „Ich danke denjenigen Kommunen und Institutionen, die mit zusätzlichen Mitteln den Einsatz von Jugendbegleitern fördern. Ihr Engagement zeigt: Die Ganztagsbetreuung von Kindern und Jugendlichen ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe und wird auch als solche verstanden“, unterstrich der Ministerpräsident.

Aufbau eines speziellen Qualifizierungsprogramms

Aufgrund des großen Interesses am Jugendbegleiter-Programm kündigten Ministerpräsident Oettinger und Staatssekretär Wacker an, dass weitere Schulen zum 1. Februar 2007 in die Modellphase integriert werden sollen. Die interessierten Schulen und die Schulträger könnten sich für eine Teilnahme beim Kultusministerium melden oder dort Informationen anfordern. Des Weiteren sei derzeit ein spezielles Qualifizierungsprogramm für Jugendbegleiter angelaufen, das rund 40 Stunden und drei Module, Pädagogik, Organisation und Praxis, umfasse. Es werde von Bildungseinrichtungen der Verbände und Volkshochschulen angeboten.

Jugendbegleiter kein Ersatz für Lehrkräfte in der Ganztagsbetreuung

Staatssekretär Wacker bekräftigte erneut, dass das Engagement der Jugendbegleiter nicht der alleinige Baustein für die Ganztagsbetreuung darstelle. „Der ehrenamtliche Einsatz der Jugendbegleiter in der Ganztagsbetreuung soll die Arbeit der Lehrkräfte ergänzen, aber nicht ersetzen. Die Erstbegründung für die Einrichtung einer Ganztagsschule muss immer eine pädagogische sein. Es braucht deshalb das verstärkte Engagement von Lehrkräften, das wir durch die Zuweisung von zusätzlichen Lehrerwochenstunden unterstützen.“ Bis zum Jahr 2015 sollen 40 Prozent der allgemein bildenden öffentlichen Schulen auf einen Ganztagsbetrieb umgestellt haben, bekräftigte Wacker das Ziel der Landesregierung. „Damit soll ein flächendeckendes und bedarfsorientiertes Angebot an Ganztagsschulen sichergestellt werden.“  

Pressemitteilung des Staatsministeriums am 21. November 2006